History  1800-1905
1800 David Christopher Mettlerkamp wird als “Inhaber des Geschäfts”, das er von seinem Vater übernommen hat, genannt. In diesem Jahr erscheint auch sein vieldiskutiertes Buch:


“Beschreibung der Spur eines Blitzes bey dem Wetterschlage auf den Thurm des Rathskellers in Harburg, den 16ten April 1800 und der darauf angelegten Blitz-Ableitung. Mit einem Zusatze von D(octor) J.A.H. Reimarus”.  Nun ganz im Zeichen des Rationalismus wird mit physikalischen Erkenntnissen die handwerkliche Umsetzung zur Beseitigung des Brandrisikos nach Blitzeinschlägen angegangen.

1813/14 Hamburg empfindet den Druck der französischen Besatzung besonders stark. David Christopher Mettlerkamp engagiert sich neben der Leitung des Geschäfts für die Befreiung Hamburgs, besonders die wirtschaftlichen Verhältnisse waren unerträglich
geworden. Als Oberstleutnant führt er das hanseatische Kontingent der Bürgergarde von Mecklenburg aus gegen die napoleonischen Truppen. Als “Befreier” gefeiert zieht er in Hamburg ein. Seine Vaterstadt benennt später eine Straße nach ihm: den Mettlerkampsweg. An dieser Stelle wird die enge Verflechtung des Werdegangs der Firma mit der Geschichte der Stadt exemplarisch deutlich.


1821 Diederich Hieronimus Wilhelm Schultz aus Lübeck, Namensgeber der Firma, erhält seinen Mei-sterbrief vom “Amt der Bley- Kupfer- und Schieverdecker” in Hamburg. Interessant: Die Unterschrift eines seiner Vorgänger in der Firma. Das genannte “Amt” ist wie viele seiner Art überregional organisiert. Es finden sich Urkunden mit Unterschriften von Meistern aus ganz Norddeutschland und Dänemark, das damals auch Altona umfasste. Bereits 2 Jahre später findet sich sein Name als “Mitmeister” unter einer Urkunde des “Amtes”.


1825 Der Feinmechaniker-Meister und “Justierbeamte” Georg Repsold kauft das “Geschäft” von seinem Schwiegervater David Christopher Mettlerkamp. Sein Vater, Johann Georg Repsold, betrieb bereits eine Instrumentenwerkstatt und machte sich als Ausrüster und Astronom des ersten Observatoriums in der Bastion Albertus, beim heutigen Stintfang, und später in der Bastion Henricus, heute Standort des Museums für Hamburgische Geschichte am Holstenwall, einen Namen. Auch ihm widmete die Stadt einen Straßennamen, und eine Büste von ihm befindet sich neben dem Museum am Millerntor.

Während
Georg Repsold sich zwar hauptsächlich der Bereiche “Einrichtung von Wasserlei-
tungen und Heizapparaten” sowie der “Ausführung von Dachdeckerarbeiten und anderen
baulichen Anlagen” annimmt, arbeitet er doch eng mit seinem Bruder Adolf Repsold zusammen, der die väterliche Instrumentenfabrik weiterführt und sich ebenfalls mit Astronomie beschäftigt. Beide zusammen errichten bei-spielsweise in der Sternwarte am Holstenwall im Jahre 1835 den Meridiankreis für das neue 4 Zoll Fernrohr von Fraun-hofer. Georg Repsold wird auch ein gefragter Eichmeister, Hilfsmittel für seine Tätigkeit als Schiffsvermesser und geodätische Instrumente sind seine Spezialität.
1850 “Herr  D. H. W. Schultz in Rostock” wird als Mitglied des “Amtes”, nun “Corporation” bezeichnet, genannt. Jetzt erscheinen die abgekürzten Vornamen in der uns von dem Namen der Firma her bekannten Reihenfolge:
Diederich Hieronimus Wilhelm Schultz
, kurz  D. H. W. Schultz.

1866 An 5. und 6. Stelle in der Reihen-folge der Inhaber erscheinen Diederich Hieronimus Wilhelm Schultz und sein
Sohn Johann Carl Heinrich. Sie kaufen das “Geschäft” von  der Witwe Georg Repsolds, und es trägt seitdem den Namen D. H. W. Schultz & Sohn. Während der Vater, bereits 66 Jahre alt, weiter im Geschäft arbeitet, setzt sein Sohn mit neuem Elan ein: statt der Instrumentenfabrik gehört bald eine Bronzegießerei und Ornamentenfabrik zur Firma. Zahlreiche der daraus hervorgegangenen Arbeiten schmücken noch heute repräsentative Gebäude der Stadt, zum Beispiel die Musikhalle. Sie sind Zeugen des verhalten dargestellten Wohlstands der Hamburger Bürger der

beginnenden Gründerjahre. Mythologische Darstellungen und Historisches der Stadtgeschichte im historisierenden Stil tragen zum harmonischen Stadtbild bei, das gediegene Material und die solide Handwerksarbeit im patinagrünen Gewand tun dazu ein Übriges. Vier Generationen der Familie Schultz prägen von nun an das Gesicht der Firma. Begonnen  hat ihre handwerkliche Geschichte aber auch schon lange vorher, und zwar in Lübeck, der anderen bedeutenden Hansestadt im Norden mit dem ähnlich ausgeprägten Sinn für ein gediegenes Erscheinungsbild ihrer Stadt. Auch dort hatten Turmbedachungen, Abdeckungen von Gesimsen, Rinnen, Gauben und Mansardfenster vor allem in Kupfer von schimmerndem Patinagrün eine lange Tradition. Nicolaus Ludewig Schultz, der Vater von Diederich Hieronimus Wilhelm, machte sich dort bereits im 18. Jahrhundert, ausdrücklich als “Turmdecker” bezeichnet, einen Namen.
1869 Nach einem schweren Sturm wird die Turmspitze der Hauptkirche Altona,
St. Trinitatis, so stark beschädigt, dass sie herunterzufallen droht. In einer spektakulären
Aktion, nur über Leitern und von einem so genannten “Bootsmannsstuhl” aus, sichern

Johann Carl Heinrich Schultz
und furchtlose Mitarbeiter den Turm, um Gefahr von Bürgern
und Kirchgängern abzuwenden. Die Gemeinde stiftet der Firma aus Dankbarkeit für ihren
gefährlichen Einsatz ein
silbernes Kaffeeservice.
1880 Johann Carl Heinrich Schultz entwickelt sein berühmtes "Schultz’sches Patentdach", ein Flachdach mit zahlreichen Patenten im In- und Ausland. Es handelt sich um eine bis ins Detail durchdachte Konstruktion zur sicheren Abdichtung größerer Gebäude und Hallen, wie sie den Anforderungen einer zunehmend modernen Industriegesellschaft entsprachen. Im gleichen Jahr wird auch eine Rettungsleiter entwickelt. Sie wird ebenfalls mehrfach patentiert. Brandschutz ganz allgemein hat Tradition in der Firma!

1889 Allzu früh verstirbt der stets rastlose Johann Carl Heinrich Schultz, der neben seinem beruflichen Ehrgeiz so ganz andere Tätigkeiten kultivierte, wie Rosenzüchten in seinem Garten im Graumannsweg und das Schreiben von anrührend roman-tischen Gedichten. Sein ältester Sohn, Albert Christian Wilhelm Schultz, führt die Firma weiter, obwohl er nach hervorragendem Examen in Brückenbau und durch den Bau der Rheinbrücke bei Köln bereits ein gefragter Konstrukteur war. Aber unter seiner Leitung wächst die Firma weiter und zählt über 100 Mitarbeiter. Die Ersteindeckung des Hamburger Rathauses von 1894 mit dem zahlreichen Ornament- und Figurenschmuck wird unter seiner Leitung von der Firma D.H.W. Schultz & Sohn ausgeführt.


  Ende 19. Jahrhundert: ausländische Patenturkunde


1905
Aus diesem Jahr hat sich ein so genanntes “Musterbuch”  erhalten. Es enthält detailreiche Zeichnungen von beispielhaften Metallarbeiten, wie sie zum Teil noch heute an historischen Gebäuden zu bewundern sind.
(Ein Nachdruck von 1995 ist leider zur Zeit vergriffen, wird aber bei ent-sprechender Nachfrage neu aufgelegt). Solche und ähnliche Arbeiten sind auch heute noch eine Domäne der handwerklich ambitionierten Klempnereiabteilung der Firma.