History 1726-1797
Eher selten ist in einer stets nach vorn blickenden Stadt ein so geschichtsträchtiges Jubiläum zu feiern: Die Firma D.H.W. Schultz & Sohn, ältestes Spezialgeschäft für Bauklempnerei, Blitzschutz, Installation und Feuerschutz in Hamburg, ist 275 Jahre alt.
Über viele Generationen haben zahlreiche fleißige und tatkräftige Mitarbeiter geschafft und sich auch geschunden für sich und ihre Familien. Darüber hinaus haben sie bewusst oder unbewusst mit ihrem Einsatz am Weiter-bestehen “ihrer” Firma mitgewirkt. Und die Leitung hat immer auch über bedrohliche Zeiten hinweg versucht für den Erhalt des Unternehmens zu kämpfen. Beständigkeit ist nicht allein eine mittelalterliche Tugend und damit eine hohle Phrase für uns Heutige: Durch sie wurden und werden letztendlich Beschäftigung, Auskommen und sichere Verhältnisse gewährleistet.
Und auch dieses ist aus der Geschichte zu lernen: In einem mittelständischen Betrieb mit ausgeprägtem Ge-meinsinn – heute auch Teamgeist genannt – lassen sich die notwendigen unterschiedlichen sozialen Positionen durch Reden und Handeln miteinander in der überschaubaren Gemeinschaft ausbalancieren.
Als Frucht dieses nie verzagenden Bemühens aller jemals in dieser traditionsreichen Firma Beschäftigten hat man aus heutiger Sicht einen faszinierenden Einblick in geschichtliche Zusammenhänge aus einer ungewohnten Perspektive. Auch gewinnen zahlreiche Verknüpfungen mit der Geschichte Altonas und der Freien und Hansestadt Hamburg im Laufe dieser langen Zeit Kontur.
Alles begann vermutlich schon vor 1726 in Altona als “Bleydecker-Gewerbe”, und durch die Jahrhunderte sind die Kupferdächer der Kirchen und Geschäftshäuser rund um die Binnenalster in ihrem lindgrünen Patinakleid Zierde der Hansestadt und zeugen von solider Handwerksarbeit. Beinahe kein Turm, kein Dach, kein Mansardfenster und kunstreiches Ornament in antikisierendem Stil, an welche die fleißigen Gesellen und Meister dieses Betriebes im Laufe dieser langen Zeit nicht Hand angelegt hätten. Lässt man die Gedanken einmal in die Ferne, vor 275 Jahren zurückschweifen, und dazu ist ein solch denkwürdiges Jubiläum wohl Anlass genug, dann gelangen wir in eine Zeit, als die ungeheuren Verwüstungen des 30-jährigen Krieges gerade überwunden sind und Aufbruchsstimmung die Menschen beflügelt. Und als Folge der seit dem Westfälischen Frieden von 1648 ganz langsam einkehrenden gesicherten Verhältnisse ist wohl auch die Gründung dieser Firma im neu entstehenden  Altona zu sehen.
Es ist die Zeit, als der protestantische Norden aus gegenreformatorischen und strenggläubigen Gebieten im Süden und Westen junge und tatkräftige Menschen anzieht, die nämlich aus “Protest” ihre Heimat verlassen und freie Religionsausübung und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten suchen.
Da kommt der Ruf des dänischen Königs gerade recht, der “Allzu nah” an Hamburg “Altona” als Konkurrenz zur benachbarten Hansestadt ausbauen lässt. Er lockt mit Versprechungen für Existenzgründer, die sich, daher die Namen, um die “Große -” und “Kleine Freiheit” herum niederlassen.
So kommt 1670 auch Jürgen Mettlerkamp (ebenso in den Schreibungen Metlerkamp und Mettelkampf) in das weltoffene und tolerante Altona. Er ist der Vater des vermutlichen Firmengründers Matthias Mettlerkamp.
1726  In diesem Jahr findet sich die erste verlässliche Eintragung für ein “Bleydecker-Gewerbe” des Matthias Mettlerkamp. Somit muss dieser Nachweis als das früheste verfügbare Gründungsdatum  der Firma gelten. Denn in ununterbrochener Folge wurde das “Gewerbe” zu einem “Geschäft” und führt heute die Bezeichnung “Firma” in der Rechtsform einer GmbH.

1754 Als “Meister der Innung”  leistet Matthias Mettlerkamp seine Unterschrift unter die “Neufassung der Articuln” des “Amtes der Bley-, Kupfer-, Zink- und Schieferdecker”. 
In anderen Gebieten auch “Zünfte” genannt, sind diese Vereinigungen die Standes-organisationen des traditionellen Handwerks. Sie sichern Qualitätsstandard, organisieren Ausbildung und sind auch für die sozialen Belange ihrer Mitglieder zuständig.


1766 In diesem Jahr übernimmt Matthias Andreas Mettlerkamp als “Bleydecker Meister” von seinem Vater das “Gewerbe”. Auch er spielt im “Amt” eine wichtige Rolle.

1769  Anlässlich der notwendigen Erneuerung der Turmspitze der St. Jacobi Kirche in Hamburg entbrennt in der “Juratenversammlung” (Kirchenvorstand) eine Diskussion darum,
“daß der H(err) Dr. Re(i)marus eine Anweisung gegeben, wie bey entstehenden Gewittern der Blitz abzuleiten sey, daß dann Thürmen kein Schade zugeführt wird.” J.A.H. Reimarus war in Hamburg ein hoch angesehener Arzt und Gelehrter. Eine Straße am Hamburger Hafen wurde nach ihm benannt. Er gilt als Mitbegründer der Patriotischen Gesellschaft. Dem Geist der Aufklärung verpflichtet, widmet er sich der Erforschung der gerade durch den Amerikaner Benjamin Franklin ins Blickfeld gelangten elektrischen Phänomene. Dieser gilt seit einer Veröffentlichung zu diesem Thema im Jahre 1752 als Erfinder des Blitzableiters.
Der anfängliche Widerstand gegen eine solche Neuerung seitens der Kirchenoberen war groß. Schließlich verbreiteten die Folgen eines so genannten “Wetterschlages” noch Angst und Schrecken in der Bevölkerung und wurden von der Kirche als Bestrafung gedeutet. Aber letztendlich siegt die Einsicht: “der Allerhöchste ist der beste Beschützer, allein um alle Vorsichtigkeit zu gebrauchen, so ist man jederzeit verbunden: da es doch ohne dies wenige Kosten verursachet: guten Rath anzunehmen. Daher Löbl.(iches) Colleg.(ium) dazu bereit ist, daß dasjenige was dazu erforderlich, angeschaffet werden möchte.” Zum Schmunzeln verleitet uns Heutige das Kostenargument bei der Auftragsvergabe, ein immerwährender Topos aus ver-gangenen Tagen, nach dem aktuellen Motto: wenn denn Sicherheit nicht so viel kostet, können wir sie ja einbauen.

1770 
Ein äußerer Anlass stellt sich zum richtigen Zeitpunkt ein und führt die unverzügliche Entscheidung herbei: “...Da kürzlich ein starker Wetter Schlag den hiesigen Nicolai Thurm einigermaßen berührt, aber Gott Lob kein Schade geschehen wäre. Ob Löbl.(iches) Coll.(egium) daher belieben wollten, dass die Ableitung, so von Herrn Dr. Remarus angezeiget, sollte ins Werck gerichtet werden...”. Den Auftrag erhält das “Gewerbe” des Matthias Andreas Mettlerkamp. Weit über die Grenzen der benachbarten Städte Altona und Hamburg hinaus bekannt wird er durch die Errichtung des “ersten Blitzableiters auf dem europäischen Festlande” auf dem Turm der Jacobi Kirche in Hamburg. Seitdem ist dieses “Gewerbe” auch als “Blitzableiterverfertiger Gewerbe” bekannt und leitet damit schon zu dieser Zeit eine Entwicklung ein, die wir heute unter dem Begriff “Vorbeugender Brandschutz” zusammenfassen. Aufklärung und Humanismus sind der geistige Nährboden dafür, dass eine frühwissenschaftliche Entdeckung, wie die des Amerikaners Benjamin Franklin, so früh einen neuen Handwerkszweig begründet.

1793  In der dritten Generation ist es David Christopher Mettlerkamp, der sich bereits als 19jähri-ger einen Namen als Preisträger der “Hamburgischen Gesellschaft zur Förderung der
Künste” und Ehrenmitglied der “Patriotischen Gesellschaft” macht. Bereits ein Jahr später  wird

er als Meister des “Amtes der Bley-, Kupfer-, Zink- und Schieferdecker” neben seinem Vater geführt.
1797  Das “Gewerbe” hat sich vergrößert, es zieht um in die Freie und Hansestadt Hamburg. Die erstmalig ausfindig zu machende Anschrift: Lange Mühren 37 in der Innenstadt.